Verschwiegenheitspflichten im Ehrenamt

Ehrenamtliche sind eingeladen, entsprechend ihrer Gaben auf allen Ebenen der Landeskirche im Vertrauen und im gleichberechtigten Nebeneinander mit Hauptamtlichen zu wirken und Verantwortung zu übernehmen. Das umfasst die Mitarbeit bei der Telefonseelsorge oder in Leitungsgremien (z.B. Presbyterien, Synoden oder in Ausschüssen) genauso wie die ehrenamtliche Begleitung von Freizeiten, die Verwaltung eines Friedhofes oder das Verteilen des Gemeindebriefes.

Damit die übernommene Aufgabe erfüllt werden kann, werden häufig Informationen benötigt. Einen Gemeindebrief kann man nicht ohne Verteilerliste austragen und Personal für den Kindergarten kann man nicht ohne Bewerbungsschreiben auswählen. Eine Gemeinde wächst und lebt durch Gemeinschaft. Diese Gemeinschaft erfordert, dass man sich der Sorgen und Nöte des anderen annimmt. Diese gelebte Offenheit erfordert jedoch Vertrauen in die Loyalität des anderen. Verschwiegenheit in vertraulichen Angelegenheiten ist somit wesentliches Merkmal dieses kirchlichen Wirkens.

So selbstverständlich es somit ist, dass Ehrenamtliche die benötigten Informationen erhalten, so geboten ist ihre Verschwiegenheit (auch nach Beendigung der Tätigkeit) über ihr Wissen in vertraulichen Angelegenheiten. Dieser Grundsatz ist in der Kirchenordnung insbesondere für die Leitungsgremien an verschiedenen Stellen verankert. So regelt zum Beispiel Artikel 65 Kirchenordnung, dass Presbyterinnen und Presbyter über Angelegenheiten der Seelsorge und über vertrauliche Gegenstände Verschwiegenheit zu wahren haben. Auch das Seelsorgegeheimnis ist gesetzlich verankert. Weitere spezielle Regelungen, wie z.B. für den Datenschutz (Datenschutzdurchführungsverordnung), sollen das Vertrauen in die Evangelische Kirche schützen.

Doch was sind vertrauliche Gegenstände? Einige vertrauliche Gegenstände ergeben sich aus den Gesetzen, wie z.B. das Seelsorgegeheimnis oder der Datenschutz. Und so sehr die Evangelische Kirche auf die Gaben des Einzelnen setzt, so überzeugt ist sie auch von der Fähigkeit des Einzelnen, die Vertraulichkeit einer Information zu erkennen. Daneben ist es Aufgabe der Haupt- und Nebenamtlichen und der Leiterinnen und Leiter eines Gremiums, auf die Vertraulichkeit bestimmter Informationen hinzuweisen.

Die Verschwiegenheitspflicht der Ehrenamtlichen hat jedoch Grenzen; denn ein Zeugnisverweigerungsrecht im Straf- oder Zivilprozess ergibt sich grundsätzlich daraus nicht. Abgesehen von einzelnen Sondersituationen in besonderen Bereichen der Seelsorge oder in Beratungsstellen, auf die die Ehrenamtlichen in diesen Fällen vor ihrem Wirken hingewiesen werden, können sich Ehrenamtliche somit grundsätzlich nicht auf ein Zeugnisverweigerungsrecht berufen und müssen im Gerichtsprozess umfassende und wahrheitsgetreue Angaben machen.

 
 
 
 
Verschwiegenheits-pflichten
 

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